Malerei

Die Ölmalerei gilt als „klassische Königsdisziplin“ der Kunst. Sie ist bereits seit dem 13.Jahrhundert bekannt und wurde später v.a. durch Jan van Eyck weiterentwickelt, der damit begann, die Grenzen der eher linear betonten Technik der Temperamalerei zu überwinden. Die ältesten bekannten Rezepte finden sich im Straßburger Manuskript. Die entscheidende Vervollkommnung dieser neuen Technik und wesentliche Impulse zu deren Verbreitung werden vor allem Jan van Eyck zugeschrieben. Antonello da Messina brachte sie nach Italien, wo sie sich zunächst wesentlich langsamer als in Nordeuropa verbreitete. Noch während des 16. Jahrhunderts war es dort üblich, die Technik mit Temperafarben zu kombinieren, aber auch andere Maler wie beispielsweise Rubens verwendeten parallel Temperafarben. Spuren von Ölgemälden wurden in der Nähe der von der Taliban gesprengten Buddha-Statuen gefunden. Die ältesten dieser Gemälde stammen aus dem 7. Jahrhundert.

"Meine Ölmalerei kommt technisch gesehen aus der Tradition der „Trennung von Form und Farbe“, die ich in Italien an der Pandora Accademia in der Maremma und auch an der Freien Kunstakademie in Essen gelernt habe. Tizian ist hier mein größtes Vorbild. Jedoch vereinfache ich den Malprozess um einige Schritte. Nach der Übertragung der Risszeichnung gestalte ich die Grundformen, angelegt in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, tradiert mit Eitempera gemischt mit italienischen Pigmenten. Ich verwende bevorzugt Siena, lichter Ocker und Terra Verde.

Im Anschluss folgen die Imprimitur und die Weißhöhung. Danach beginne ich bereits mit dem Lasieren mit pigmentreichen Ölfarben, um das lange Prozedere wesentlich zu verkürzen, was den Vorteil hat, dass die Ölgemälde schneller entstehen und das Ergebnis früher erkennbar ist. Insbesondere beim Unterrichten von Kindern und Jugendlichen macht diese Verkürzung einen großen Sinn. Mit Kids steige ich auch gerne in die Alla Prima Malerei ein, weil die zu erlernende Geduld oft eine große Rolle spielt und ein Ergebnis, das schon nach ein, zwei Stunden sichtbar ist, als motivierendes Erfolgserlebnis gerade bei jungen Schülern eine wichtige Rolle spielt.

Ich selbst experimentiere auch sehr gerne mit der Spachteltechnik mit pastösem Farbauftrag auf die vorbereite Eitempera, wobei ich bewusst „Ränder“ stehen bzw. durchscheinen lasse, - das steigert die Tiefe zum einen und verleiht dem Werk mehr Dreidimensionalität und lebendige Plastizität."

Trennung von Form und Farbe

Die im Mittelalter übliche, vor allem von Jan van Eyck entwickelte und bis Tizian gebräuchliche Maltechnik der Trennung von Form und Farbe, ermöglichte die Bildgestaltung auch in Werkstätten als überschaubaren handwerklichen Prozess. Die Technik erlaubt eine äußerst naturnahe, detailgetreue Darstellung von Sujets. Sie wurde aus diesem Grund auch in der Moderne von Surrealisten wie Dali verwendet. Nach einer Risszeichnung, die auf die Bildfläche (mit Kreidegrund weiß grundierte Holztafel oder mit dünnem Leinen bespannte Holztafel) übertragen wird, entwickeln sich die Schattenform mittels Eitemperafarbe, z.B. Siena, Ultramarin oder Schwarz- heute nimmt man oft Japantusche dazu. Als nächster Arbeitsschritt erfolgt eine Lasur, aus magerer Harzölfarbe zur Entwicklung des Mittel- und Gesamttones. Diese erste Schicht heißt Imprimitur. Der Mittelton, der zwischen dem dunkelsten und dem hellsten Ton des Bildes liegt (es handelt sich oft um eine Erdfarbe, bei Dürer z.B. Ocker, oder bei Bartholomäus Bruyn eine grüne böhmische Erdfarbe) gestattet die nun folgende Weißhöhung. Mit weißer Tempera wird das Licht gemalt und der permanente Wechsel von Lasur und Weißhöhung erlaubt ein behutsames Entwickeln des Bildes und ermöglicht viele Korrekturschichten. Es können so Bilder von großer Tiefe und innerer Lebendigkeit gemalt werden. Von Tizian wie auch von Stefan Lochner weiß man, dass sie bis zu 150 Schichten auftrugen, in Lochners Fall z.T. sogar noch mehr. Der Abschluss dieser formalen Seite des Bildes wird auch Grisaille genannt, bis zu diesem Punkt hat das Bild im wesentlichen erst Ocker, Schwarz und Weiß als Farben. Beispiele dieser Technik zeigt im 20. Jahrhundert das Oeuvre von Georg Esser (der Kreuzweg) und Egon von Vietinghoffs Ölgemälde. Erst jetzt erfolgt die tatsächliche Farbgebung durch Farblasuren in Öl- oder Öl-Harz-Farbe in zum Teil mehreren Schichten und Lagen bis zur Vollendung des Bildes. Zunächst wird der Zwischenfirnis mit Leinöl oder Dammar aufgetragen, der in 4-5 Tagen durchtrocknet. Danach werden die einzelnen Formpartien mit der gewünschten Lokalfarbe lasiert Die Untermalung soll immer durchscheinen, es darf also nicht oder nur sehr vorsichtig mit Körperfarbe, d.h. mit Weiß vermischter Farbe, gemalt werden. Maltechnisch gesehen ist die Farbgebung der einfachere Malvorgang. Grundsätzlich gilt, dass die Farbgebung umso leichter und müheloser gelingt je kräftiger und vollkommener die Untermalung ist. Da alle Malschichten jeweils durchtrocknen müssen, kann das Malen eines Bildes in der hier beschriebenen Technik sehr lange, Monate bis Jahre, dauern.

Ton-in-Ton-Malerei

Die Ton-in-Ton Malerei ist eine Art abgekürztes Verfahren, wobei die Trennung von Form und Farbe nur noch rudimentär zur Korrektur verwendet wird. Die Technik wurde etwa im 16. Jahrhundert, ganz besonders bei Tizian, zur Gestaltung großer repräsentativer Formate entwickelt. Sie wurde in modifizierter Form auch von Pablo Picasso (blaue oder rosa Periode) und Max Beckmann verwendet. Gemalt wird auf farbigem Grund mit toniger Farbe (meist Erdfarben); solche Gründe heißen Bolus gründe. Die Zeichnung wird locker mit dunkler Erdfarbe oder farbigem Grau aufgetragen und trocknen gelassen. Es wird sofort mit Weißhöhung aus Eitempera begonnen. So können die Tendenzen der Lokalfarben durch Untermischen von Rot, Blau usw. festgelegt werden. Beckmann arbeitete z. B. viel auf rotem Grund, worauf die Zeichnung locker mit dunklerem Ton eingearbeitet war. Es folgt ein farbiger Zwischenfirnis im Grundton. Korrekturschichten, die auch Farbe enthalten, können aufgetragen werden, bis der Künstler mit dem Ergebnis zufrieden ist. Von Tizian ist bekannt, dass er 40-50 Schichten auftrug. Am Ende folgt die farbige Vertiefung des Bildes durch mehrfache Lasuren. Die Ton-in-Ton-Malerei erlaubt erstmals die Formsuche im Bild während des Malens und gestattet sehr freies Gestalten. Rembrandt van Rinn hat diese Technik häufig genutzt, so konnte ein Bild während des Malprozesses noch völlig umgeworfen und neugestaltet werden.

Primamalerei oder Alla-Prima-Malerei.

Abgeleitet von ital., "aufs erste", auch prima Vista, ital. "auf den ersten Blick". Die Prima-Malerei bezeichnet ein Vorgehen, bei dem die Farbe gleich auf Anhieb in einem Arbeitsgang auf die richtige Stelle zu platziert wird, ohne spätere Korrekturen wie Retuschierung oder das Auswischen von feuchter Farbe. Der Maler hat bereits eine Vision der Endfassung des Bildes im Kopf und setzt jede Farbe als letztgültigen Farbton ein. Der Alla-Prima-Malerei verwandt ist die Nass-in-Nass-Technik. Als ein Meister der Alla-Prima-Malerei gilt Cézanne. Philipp Otto Runge beklagte sich, dass "Leute wie aus dem Kalkeimer malen". Anfänger der Malerei wollen oft alla prima malen, weil man direkt ein Ergebnis sieht. Dabei wird leicht übersehen, dass diese Technik Erfahrung erfordert, deren Fehlen zu betrüblichen Ergebnissen führt.